Teilzahlung bei Kreditkarten: Zinsen, Rechenbeispiele und wie du die Zinsfalle vermeidest
Teilzahlung (Revolving) klingt bequem, kostet aber bis knapp 26 % effektiven Jahreszins. Mit Live-Zinsen aus unserem Vergleich, Rechenbeispielen zur Rückzahlung und der Anleitung zur zinsfreien Vollzahlung.
9 Min. Lesezeit
Geprüft von der Redaktion · Zuletzt aktualisiert: 2026-10-10
Was bedeutet Teilzahlung (Revolving)?
Bei der Teilzahlung begleichst du deine monatliche Kreditkartenabrechnung nicht komplett, sondern nur eine Mindestrate. Der Rest wird in den Folgemonat übertragen und verzinst. Weil sich der Kreditrahmen mit jeder Rückzahlung wieder auffüllt und du die Karte weiter nutzen kannst, spricht man von „revolvierendem“ Kredit.
Die Mindestrate ist meist ein kleiner Prozentsatz des offenen Saldos mit einem festen Mindestbetrag. In den Verträgen unseres Vergleichs finden sich zum Beispiel 2,5 % (mindestens 30 €), 2,8 % (mindestens 9,10 €) oder 10 % (mindestens 15 €). Je niedriger die Mindestrate, desto bequemer wirkt die Monatsbelastung – und desto länger laufen die Zinsen.
Teilzahlung gibt es nur bei echten Kreditkarten mit Kreditrahmen. Charge-Karten ziehen die Abrechnung immer vollständig ein, Debit- und Prepaid-Karten belasten dein Konto oder Guthaben sofort. Bei diesen Kartenarten kann gar keine Zinsschuld entstehen.
So teuer ist Teilzahlung: die Zinsen in unserem Vergleich
Die effektiven Jahreszinsen der Karten mit Teilzahlungsfunktion reichen in unserem Vergleich von rund 10 % bis knapp 26 % (Stand Oktober 2026). Der Median liegt bei gut 21 %, bei mehr als zwei Dritteln der Karten über 20 %. Das ist ein Vielfaches dessen, was ein Ratenkredit bei ordentlicher Bonität kostet.
Gerade kostenlose Kreditkarten liegen oft am oberen Ende. Das ist kein Zufall: Die Karte selbst ist gratis, verdient wird an Zinsen und Fremdwährungsgebühren. Wer die Abrechnung jeden Monat vollständig bezahlt, nutzt eine solche Karte trotzdem ohne einen Cent Kosten.
| Karte | Sollzins eff. | Jahresgebühr | Fremdwährung |
|---|---|---|---|
| Hanseatic Bank GenialCard | 19,92 % | 0 € | 0 % |
| Easybank Kreditkarte | 21,51 % | 0 € | 0 % |
| Deutschland-Kreditkarte Classic | 21,96 % | 0 € | 0 % |
| Bank Norwegian Visa | 24,4 % | 0 € | 0 % |
| awa7 Visa | 21,96 % | 0 € | 0 % |
| GMX WEB.Cent Kreditkarte (Mastercard Gold) | 24,95 % | 0 € | 0 % |
| TF Bank Mastercard Gold | 25,09 % | 0 € | 0 % |
| Advanzia Gebührenfrei Mastercard Gold | 24,95 % | 0 € | 0 % |
Sollzins und effektiver Jahreszins: was du vergleichen solltest
Im Kartenvertrag stehen zwei Zinsangaben. Der gebundene oder variable Sollzins ist der Jahreszins, mit dem die Bank rechnet; berechnet wird er monatlich anteilig auf den offenen Saldo. Der effektive Jahreszins berücksichtigt zusätzlich, dass die monatlich berechneten Zinsen selbst wieder mitverzinst werden. Er ist deshalb immer etwas höher und die richtige Zahl für den Vergleich.
Ein Beispiel: 20 % effektiver Jahreszins entsprechen einem Sollzins von rund 18,4 % pro Jahr oder gut 1,5 % pro Monat. Auf einen offenen Saldo von 1.000 € fallen damit im ersten Monat rund 15 € Zinsen an.
Achte außerdem darauf, ab wann Zinsen laufen. Das regelt jeder Vertrag selbst: Bei manchen Karten bleibt die Zeit bis zum Abbuchungstermin zinsfrei, andere berechnen Zinsen ab dem Buchungstag, sobald du nicht vollständig zahlst. Einzelne Karten in unserem Vergleich kennen gar keine zinsfreien Tage. Für Bargeldabhebungen laufen Zinsen häufig ab dem Tag der Abhebung.
Rechenbeispiel: 1.000 € offener Saldo
Wie viel Teilzahlung kostet, hängt vor allem davon ab, wie schnell du zurückzahlst. Angenommen, auf deiner Karte stehen 1.000 € offen und du kaufst nichts mehr dazu. Die Tabelle zeigt Laufzeit und Zinskosten für vier Rückzahlungswege bei drei Zinssätzen, wie sie in unserem Vergleich vorkommen.
| Rückzahlung | 10 % effektiv | 20 % effektiv | 25 % effektiv |
|---|---|---|---|
| Vollzahlung zum Abbuchungstermin | 0 € Zinsen | 0 € Zinsen | 0 € Zinsen |
| Feste Rate 100 € pro Monat | rund 46 € · 11 Monate | rund 94 € · 11 Monate | rund 118 € · 12 Monate |
| Feste Rate 50 € pro Monat | rund 94 € · 22 Monate | rund 203 € · 25 Monate | rund 266 € · 26 Monate |
| Mindestrate 3 %, mindestens 20 € | rund 231 € · knapp 5 Jahre | rund 610 € · gut 6 Jahre | rund 920 € · gut 7 Jahre |
Achtung: Teilzahlung ist oft voreingestellt
Bei manchen Kreditkarten ist die Teilzahlung ab Werk aktiviert: Eingezogen wird nur die Mindestrate, der Rest wird automatisch verzinst. Andere Anbieter ziehen gar nichts per Lastschrift ein, sondern erwarten eine Überweisung – überweist du weniger als den vollen Betrag, wird der Rest zur Teilzahlung. Wer das übersieht, zahlt Zinsen, obwohl genug Geld auf dem Konto wäre.
Prüfe deshalb direkt nach Erhalt der Karte, wie die Rückzahlung eingestellt ist, und kontrolliere die ersten Abrechnungen. Steht dort ein Mindestbetrag statt des vollen Saldos oder wird ein Restbetrag übertragen, ist Teilzahlung aktiv.
So stellst du auf Vollzahlung um
Mit wenigen Schritten vermeidest du die Zinsfalle vollständig:
- Im Online-Banking oder in der App die Rückzahlung auf 100 % bzw. vollständige Rückzahlung umstellen
- Falls die App das nicht anbietet: per Nachricht oder telefonisch beim Anbieter beantragen und die Umstellung bestätigen lassen
- Eine Lastschrift für den vollen Rechnungsbetrag einrichten – oder einen Dauerauftrag bzw. eine Erinnerung, wenn der Anbieter nur Überweisungen annimmt
- Die erste Abrechnung nach der Umstellung prüfen: Es darf kein Restsaldo mehr übertragen werden
- Das zinsfreie Zahlungsziel bis zum Abbuchungstermin bewusst als Liquiditätsvorteil nutzen
Wenn schon ein Saldo offen ist: so kommst du raus
Ist bereits ein größerer Betrag aufgelaufen, hilft vor allem eines: schneller tilgen. Bei Kreditkarten kannst du in der Regel jederzeit mehr als die Mindestrate zurückzahlen, etwa per Überweisung auf das Kartenkonto. Jeder zusätzliche Euro senkt die Zinslast ab dem nächsten Monat.
- Feste Monatsrate deutlich über der Mindestrate festlegen und per Dauerauftrag überweisen
- Die Karte nicht weiter nutzen, bis der Saldo getilgt ist – neue Umsätze verlängern die Laufzeit
- Umschuldung prüfen: Ein Ratenkredit mit niedrigerem effektiven Jahreszins löst den Kartensaldo ab und hat ein festes Ende
- Auch den Dispo deines Girokontos vergleichen – teurer als die Karte sollte die Ablösung nicht sein
- Bei Zahlungsschwierigkeiten früh eine kostenlose Schuldnerberatung nutzen, etwa bei Verbraucherzentralen oder Wohlfahrtsverbänden
Häufige Fragen zu Teilzahlung und Zinsen
Kann ich die Teilzahlung jederzeit abschalten?
In aller Regel ja. Die Umstellung auf vollständige Rückzahlung ist bei den meisten Anbietern im Online-Banking, in der App oder auf Anfrage möglich. Ein bereits offener Saldo muss dann mit der nächsten Abrechnung vollständig beglichen werden – reicht das Geld dafür nicht, zahle zunächst so viel wie möglich zurück.
Ist Teilzahlung bei der Kreditkarte teurer als ein Ratenkredit?
Meistens deutlich. In unserem Vergleich liegen die effektiven Jahreszinsen für Teilzahlung zwischen rund 10 % und knapp 26 %, die meisten über 20 %. Ein Ratenkredit kostet bei ordentlicher Bonität in der Regel spürbar weniger und hat eine feste Laufzeit. Vergleiche vor einer Umschuldung trotzdem den effektiven Jahreszins und mögliche Nebenkosten.
Was passiert, wenn ich die Mindestrate nicht zahle?
Dann gerätst du in Zahlungsverzug. Die Bank mahnt, kann Verzugszinsen und Mahnentgelte verlangen und bei anhaltendem Verzug den Kartenvertrag kündigen und den gesamten Saldo fällig stellen. Unbestrittene, mehrfach gemahnte Forderungen können zu einem negativen SCHUFA-Eintrag führen. Melde dich frühzeitig beim Anbieter, wenn du eine Rate nicht zahlen kannst.
Gibt es Kreditkarten ganz ohne Teilzahlungsrisiko?
Ja. Charge-Karten ziehen die Monatsabrechnung immer vollständig ein, Debitkarten belasten das Girokonto sofort und Prepaid-Karten funktionieren nur mit Guthaben. Bei diesen Kartenarten können keine Teilzahlungszinsen entstehen.
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